November 2026
„Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen.“
(Helmut Qualtinger, österreichischer Schriftsteller und Kabarettist, 1928-1986)
Liebe Anlegerinnen, liebe Anleger,
als Russland 2022 in die Ukraine einmarschierte, holte man in der EU die große Moralkeule heraus. Durch Sanktionen sollte der Aggressor bestraft werden. Zum Beispiel durch den Boykott russischer Rohstoffe. Auch das preiswerte russische Öl und Gas wollte man nicht mehr. Tatkräftig unterstützt wurden wir von unseren ukrainischen Freunden, die unsere Gaspipeline durch die Ostsee sprengten. Als Folge stieg der europäische Gaspreis gewaltig an. Dieser Preisanstieg kostete den deutschen Steuerzahler Milliarden Euro und ging als „Habeck-Buckel“ in die Geschichte ein. Man hatte den Ast abgesägt, auf dem man selber saß. Habeck sah sich gezwungen, weltweit auf Einkaufstour zu gehen, um den Gasmangel durch den Kauf von Flüssiggas (LNG) zu ersetzen, das notabene wesentlich teurer und umweltschädlicher ist. Die Belieferung mit billigem Russengas, die auch während des gesamten Kalten Krieges reibungslos funktionierte, war Geschichte.
Seitdem leidet unsere Industrie unter den hohen Energiepreisen. Doch es sollte noch schlimmer kommen. Russland hat sich zum Ziel gesetzt, die ukrainische Energie-Infrastruktur zu zerstören und im Gegenzug vernichten die Ukrainer russische Förderanlagen und Raffinerien. Die Amerikaner kamen auf die clevere Idee, den Iran anzugreifen und die iranischen Ölhäfen zu blockieren, worauf die Iraner die Förderanlagen und Raffinerien der amerikanischen Verbündeten im Nahen Osten angriffen und beschädigten. Die Folge ist an den Gaspreisen abzulesen. Der für uns maßgebliche TTF Natural Gas Future stieg seit Jahresanfang um 240%. Dazu passt, dass die deutschen Gasspeicher im historischen Vergleich mit 61,3% Ende Oktober ungewöhnlich leer sind. Offensichtlich hat man sich erneut verrechnet und gehofft, dass die Preise im Herbst wieder fallen. Auch die Dieselpreise sind deutlich angezogen.
Unter dem Druck der schwindenden Energiereserven hat die britische Regierung jetzt grünes Licht für die umstrittenen Pläne zur Erschließung des großen Jackdaw-Gasfeldes in der Nordsee gegeben, das noch in diesem Winter britische Haushalte versorgen soll. Betreiber sind Shell und die norwegische Equinor. Fazit: Wir halten weiter an unseren Öl- und Gaswerten fest, da sich die Mangellage nur langfristig beseitigen lässt. Gerade die europäischen Titel sind niedrig bewertet, wegen der ESG-Problematik unbeliebt und in vielen Depots kaum vertreten. Sie erfüllen damit nach wie vor unsere 3-U-Kriterien.
Börsengehandelte Indexfonds (ETFs) werden immer beliebter!
Die meisten Vermögensverwalter und Fondsmanager bleiben auf mittlere bis längere Sicht mit ihren Ergebnissen deutlich unter ihrer jeweiligen Benchmark. Deshalb investieren immer mehr Anleger in börsengehandelte Indexfonds (ETFs). Besonders beliebt sind ETFs auf den MSCI World Aktienindex, den S&P 500-Index und den NASDAQ-Technologieindex. Vielen Anlegern dürfte nicht klar sein, welches Klumpenrisiko sie durch die hohe Gewichtung amerikanischer Technologiewerte eingehen. Auch beseitigt es das grundlegende Problem nicht, dass Anleger dazu neigen, in Euphorie Phasen zu kaufen und in Panik-Phasen zu verkaufen (statt umgekehrt).
Dabei gibt es viele Wege, mit einer aktiven Anlagestrategie gute Ergebnisse zu erzielen. Wir haben mit der Beachtung folgender Regeln über die letzten Jahrzehnte gute Erfahrungen gemacht:
- Antizyklisch investieren (Mutig werden, wenn die anderen Panik schieben, ängstlich werden, wenn Euphorie herrscht)
- Prognosefrei investieren (Keiner weiß, wo die Börsen in einem Jahr stehen, da auch die Erwartungen der Anleger bereits in den Kursen enthalten sind)
- Breite Diversifikation über Länder, Branchen und Einzelwerte
- Reduzierung des Einzelwerterisikos durch Streuung und Vermeidung von Klumpenrisiken
- Value-Werte gegenüber Wachstumsaktien bevorzugen
- Die zeitliche Diversifikation nutzen und nur Gelder anlegen, die man langfristig nicht benötigt
- Nach der 3-U-Methode anlegen (nur in Länder, Branchen und Einzelwerte investieren, die aktuell unbeliebt, unterbewertet und in den Depots untergewichtet sind)
- Einmal jährlich ein Rebalancing durchführen, d.h. die Depotstruktur auf ihre ursprüngliche Gewichtung zurückführen. Anlagen zurückstutzen, die besonders gut gelaufen sind
Weiter viel Börsenerfolg wünscht Ihnen
mit herzlichen Grüßen
Ihr
Peter E. Huber

