Anfang September 2026
„Wer die Pflicht hat, Steuern zu zahlen, hat auch das Recht, zu verlangen, dass mit seinem Geld ordentlich umgegangen wird.“
– Helmut Schmidt –
Sehr geehrte Anlegerin,
sehr geehrter Anleger,
es ist geschafft! Die Staatsverschuldung in den USA hat die gigantische Summe von 40.000 Milliarden $ überschritten. Und die Schuldenspirale dreht sich munter weiter. Den öffentlichen Händen erwächst jetzt neue starke Konkurrenz. Die Hyperscaler können den Bau ihrer gigantischen Rechenzentren nicht mehr aus dem freien Cashflow finanzieren und nehmen verstärkt den Kapitalmarkt in Anspruch. Der Finanzminister Scott Bessent reagiert auf die zunehmende Besorgnis der Anleger mit Rückkaufprogrammen für langlaufende Treasuries, finanziert natürlich durch die verstärkte Aufnahme kurzfristiger Schulden. Ob das reicht, um die Märkte zu beruhigen?
Anderswo sieht es nicht besser aus. Unser Bundeskanzler Friedrich Merz erklärt mit stolzgeschwellter Brust, das Deutschland jetzt der mit Abstand größte Unterstützer der Ukraine sei, einem Land das – vorsichtig ausgedrückt – mit erheblichen Governance-Problemen zu kämpfen hat. Aber auch in Afghanistan wollte uns der damalige Verteidigungsminister Struck weismachen, dass die „Freiheit des Westens am Hindukusch verteidigt wird“. Was uns viele Milliarden gekostet hat. Gleichzeitig erklärt man dem deutschen Michel, dass für eine geringe Entlastung bei der Stromsteuer leider kein Geld vorhanden ist. Und die aufgelegten „Sondervermögen“ in dreistelliger Milliardenhöhe für die Reparatur der maroden Infrastruktur werden teilweise zweckentfremdet für den weiteren Ausbau des Sozialstaats.
Wer glaubt, dass es in anderen europäischen Ländern wie Frankreich, Italien, Spanien oder in Japan besser läuft, unterliegt einem schwerwiegenden Irrtum. Überall explodieren die Staatsschulden in dem Bewusstsein, dass man sie ohnehin nicht zurückzahlen kann. Kein Wunder also, dass die Gläubiger misstrauisch werden und höhere Zinsen verlangen. So hat die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe inzwischen einen mehrjährigen Höchststand von fast 3,4% erreicht. Das ist immer noch lachhaft gering, wenn man berücksichtigt, dass nach Abzug der Steuern und der Inflation real nichts übrigbleibt.
Der nächste Crash geht von den Bondmärkten aus. Wir haben seit längerem auf diese Entwicklung hingewiesen. Die meisten Anleger sind erstaunt, dass sich vor diesem Hintergrund viele Aktienmärkte in der Nähe ihrer historischen Höchststände bewegen. Dies ist nur mit der Flucht in Sachwerte (Aktien, Edelmetalle) zu begründen. Auch auf diesen Melt-up-Boom machen wir seit Jahren aufmerksam. Allerdings haben viele Aktien inzwischen ein recht stolzes Bewertungsniveau erreicht. Unternehmen, deren Wachstumsaussichten negativ beurteilt werden, weisen dagegen oft einstellige Kurs/Gewinn-Verhältnisse und ordentliche Dividendenrenditen auf (Autos, Chemie, Maschinenbau, Software, Pharma, Öl- und Gas).
Es sind deshalb zwei Szenarien denkbar. Eine deutliche Korrektur an den Aktienmärkten oder eine Branchenrotation aus den hoch bewerteten in bisher vernachlässigte Branchen. Auf jeden Fall wird das Börsenumfeld für die Anleger in den nächsten Monaten ruppiger. Nun aber zu einem ganz anderen Thema.
Wir stehen vor einer technologischen Revolution
Mit der KI schaffen wir eine Intelligenz, die mühelos Diagnosen stellt, Rechtsgutachten verfasst, Software schreibt und komplexe Strategien entwirft – und das alles zu Grenzkosten von nahezu null. Während Software dadurch immer günstiger wird, explodiert der Wert dessen, was sie am Laufen hält: Energie, Hardware, Chips, Wasser und Rohstoffe. Ärzte, Anwälte, Programmierer und Berater sehen sich plötzlich in einer Konkurrenzsituation mit einer Maschine, die nie müde wird und ständig dazulernt.
Die wahren Gewinner sind also nicht die Unternehmen, die die KI-Modelle entwickeln – sie werden sich in einem gnadenlosen Preiskampf gegenseitig unterbieten. Es sind die Unternehmen, die die Chips für die Rechenzentren produzieren und vor allem diejenigen, welche dieEnergie bereitstellen, die diese kolossalen Rechenleistungen verschlingt. Original-Ton eines Experten: „Jede KI-Anfrage ist im Kern nichts anderes als eine verbrannte Kilowattstunde“. Und die Weltbevölkerung wird täglich Milliarden von Anfragen stellen.
Doch nicht nur für Geistesarbeiter sieht die berufliche Zukunft düster aus. Kennen Sie Atlas? Das ist ein humanoider Roboter von Boston Dynamics. Der Mutterkonzern Hyundai Motors will zehntausende dieser Kameraden in seinen Autofabriken einsetzen. Die Gewerkschaften sind so entsetzt, dass sie in Korea das Unternehmen radikal bestreiken und eine Arbeitsplatzgarantie fordern. Dabei ist der Fortschritt unaufhaltbar, denn auch andere Autokonzerne erproben solche Modelle.
Weiter viel Börsenerfolg wünscht Ihnen
Ihr
Peter E. Huber


