Antizyklisch investieren bringt Erfolg

Mai 2019 – Die meisten Anleger investieren erst, wenn sich Konjunktur und Unternehmensgewinne erholen. Nur sind sie so meist zu spät. Eine Checkliste für den richtigen Einstiegszeitpunkt.

Die meisten Anleger investieren erst, wenn die Märkte sich in einem intakten und gesicherten Aufwärtstrend befinden. Die Wirtschaft muss brummen, und die Aussichten auf steigende Unternehmensgewinne und höhere Dividenden müssen gut sein. Kein Wunder, sind viele Investoren ob ihrer mässigen Ergebnisse mit Aktien frustriert.

Denn das prozyklische Investieren ist falsch, ja sogar grundfalsch! Analysiert man die Börsentiefpunkte in den letzten hundert Jahren – und damit die optimalen Einstiegszeitpunkte in Aktien – stellt man nämlich fest, dass diese meist mitten in einer Rezession auftraten. Die stärksten Kursgewinne innerhalb eines Börsenzyklus treten normalerweise in der zweiten Hälfte einer Rezession auf.

Doch woran erkenne ich, ob wir mitten in einer Rezession sind und ich jetzt mit meinen Käufen beginnen kann? Das ist eigentlich ganz einfach. Konjunkturabschwächungen sind nämlich nicht so einfach statistisch zu erfassen. Da müssen viele Zeitreihen erhoben und geglättet werden, bis man zuverlässig von einer Rezession sprechen kann. Das kostet Zeit. Wenn also in der «NZZ» im Wirtschaftsteil darüber berichtet wird, dass eine Rezession begonnen hat, sind wir mit Sicherheit bereits mittendrin.

An der Börse soll man nicht mit dem Blick in den Rückspiegel fahren. Aber wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Zukunft nicht meistern. Erfahrungsgemäss deuten folgende Faktoren auf einen günstigen Zeitpunkt zum Kauf von Aktien hin:

  • Die Notenbanken nehmen den Fuss von der Bremse und geben wieder Gas.
  • Die wirtschaftlichen Frühindikatoren haben sich stark abgeschwächt und beginnen sich zu stabilisieren. Als recht zuverlässig haben sich die Einkaufsmanager-Indices (Purchasing Managers Index, PMI) erwiesen. Liegen diese deutlich unter 50, befinden wir uns in einer konjunkturellen Schwächephase.
  • Es sind zahlreiche Gewinnrevisionen nach unten bereits erfolgt und weitere werden erwartet. Schlechte Nachrichten führen nicht mehr zu massiven Kursabschlägen.
  • Die Haltung der Anleger ist von Unsicherheit und Skepsis geprägt. Viele haben ihre Aktienpositionen bereits reduziert oder sich defensiv aufgestellt.

Die meisten Punkte für ein solches Goldilock-Szenario an den Börsen sind heute tendenziell (immer noch) gegeben. Die US-Notenbank ist von weiteren Zinserhöhungen abgerückt und will im Herbst auch ihre Anleihenverkäufe einstellen. In Europa und Japan liegen die Renditen zehnjähriger Anleihen weiter in der Nähe historischer Tiefs, und die Zentralbank in China stimuliert bereits wieder monetär. Nach meiner Kenntnis hat es in einem solchen Umfeld noch nie einen stärkeren Börsencrash gegeben.

Die Einkaufsmanagerindices für das verarbeitende Gewerbe haben sich deutlich abgeschwächt und liegen in wichtigen Wirtschaftsnationen wie Deutschland, Italien, Japan oder Südkorea markant unter der 50er-Marke. Sie scheinen sich aber zu stabilisieren, wie die vorläufigen Zahlen (Flash PMI) signalisieren. Schlechte Nachrichten von den Unternehmen werden inzwischen recht gut weggesteckt oder führen sogar zu steigenden Kursen.

Vor diesem Hintergrund sind die Anleger nach wie vor zu vorsichtig. Während Obligationen-Fonds nach Berechnungen des Datenproviders EPFR seit Jahresanfang 112 Mrd. $ an Neuzuflüssen verbuchen können, verzeichnen Aktienfonds trotz steigender Börsenkurse weitere Abflüsse von fast 90 Mrd. $. «Es herrscht global zu viel Pessimismus», sagte denn auch Larry Fink und erwartet einen massiven Auftrieb – Melt-up – der Aktienkurse. Larry Fink ist nicht irgendwer, sondern der Chef der weltgrössten Fondsgesellschaft BlackRock mit einem betreuen Vermögen von 6,5 Bio. $.

Aus dem Blickwinkel eines Antizyklikers war Ende letzten Jahres der Zeitpunkt für Aktienkäufe sicher deutlich günstiger. Zumal inzwischen erste Konjunkturhoffnungen aufkeimen und damit die Erwartungshaltung nicht mehr so optimal ist. Sollte tatsächlich eine Rezession eintreten, wäre das sicher nicht in den heutigen Aktienkursen eingepreist. Ein Test des Dezember-Tiefst wäre möglich.

Insgesamt ist das Chancen-Risiko-Verhältnis an den Aktienmärkten auf längere Sicht aber extrem attraktiv. Warum dies so ist, will ich in meinem nächsten Beitrag erläutern.

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