Juli / August 2026
Sehr geehrte Anlegerinnen, sehr geehrter Anleger,
die Finanzwelt lebt von dem Versprechen, mit dem richtigen Modell, den besseren Daten oder der schnelleren Analyse ließe sich der Markt schlagen. Ganze Industrien widmen sich der Jagd nach diesem Informationsvorsprung.
Ein AI-affiner befreundeter Fondsmanager hat deshalb verschiedene KI-Modelle befragt, ob es eine quantitative oder qualitative Strategie gibt, mit der auf längere Sicht ein überdurchschnittlicher Börsenerfolg erzielt werden kann. Dieses Vorgehen erscheint vernünftig, da in der KI alle bisherigen empirischen Testergebnisse gespeichert sind. Besonders viele Untersuchungen gibt es, die auf sieben Faktorstrategien beruhen, wie zum Beispiel auf Value-, Growth-, Momentum- oder Qualitätskriterien.
In den letzten 26 Jahren (30.6.2000 bis 30.06.2026) hat der MSCI Weltaktienindex in Euro und inklusive Dividenden 6,7% pro Jahr zugelegt. Etwas besser abgeschnitten haben die Enhanced Value Strategie mit 8,7% p.a. und die Momentum-Strategie mit 8,5%. Dies wurde allerdings erkauft durch starke Korrekturphasen (Drawdowns) und langen Phasen der Underperformance.
Insgesamt sind die Ergebnisse frustrierend. Je ausgefeilter die Methoden, desto flüchtiger die Beute. Alles, was leicht zu ernten ist, verschwindet durch den Zustrom von Kapital. Leicht messbar, leicht verständlich, leicht durchzuhalten – das sind die Eigenschaften, die eine Strategie zerstören. Was übrig bleibt, sind genau die Prämien, die den meisten Teilnehmern zu unbequem sind: Equity Prämie (jahrzehntelange Seitwärtsmärkte möglich), Value (zehn Jahre Demütigung) Illiquidität (Kapital gebunden, wenn man es am dringendsten benötigt).
Die Fähigkeit, eine Durststrecke auszusitzen – das ist die eigentliche Quelle der Überrendite, nicht die Strategie oder der Ansatz.
Der Markt bezahlt nicht für Intelligenz, er bezahlt für das Tragen dessen, was andere nicht tragen wollen oder können – und das Knappste ist die Fähigkeit, eine rational begründete Position durch die Phase zu halten, in der alle Evidenz kurzfristig dagegen spricht. Nicht umsonst hat Charlie Munger, der Partner von Warren Buffett, der erstaunten Fangemeinde mitgeteilt, dass sie das meiste Geld mit dem Hintern verdient hätten. Indem sie ihre Aktienpositionen wie z.B. Coca Cola oder Gilette, teilweise über Jahrzehnte ausgesessen haben.
Diese Einsicht stellt die herkömmliche Vorstellung von Investmenterfolg auf den Kopf. Nicht der Klügere gewinnt, sondern der, der bereit ist, das zu tragen, was andere nicht tragen wollen. Der Markt zahlt nicht für Prognosegenauigkeit, sondern für die Übernahme von Schmerz. Für den institutionellen Investor wird die Durststrecke zum existenzbedrohenden Problem. Seine Kunden fragen nach Performance in Jahresintervallen, seine Vorgesetzten nach Quartalszahlen, die Fachpresse nach monatlichen Rankings. Der Fondsmanager, der seine Value-Strategie durch zehn Jahre Underperformance hält, hat schlicht keinen Job mehr, bevor sich das Blatt wendet. Das ist ein Konstruktionsfehler des Systems – und genau dieser Fehler hält die Überrendite (Time Arbitrage) am Sprudeln.
Die tiefere Pointe liegt darin, dass diese Quelle der Überrendite grundsätzlich jedem Anleger kostenlos zur Verfügung steht. Wie die Diversifikation, die niemand kaufen muss und die dennoch das einzige Free Lunch der Finanztheorie darstellt. Aber sie beruht auf der unveränderlichen Natur des Menschen, Ungeduld für Dringlichkeit und Schmerz für Irrtum zu halten.
Aus diesen Gründen haben wir eine Methodik entwickelt, die auf drei Faktoren beruht:
- Mit der 3U-Strategie investieren wir nur in Aktien, Branchen und Märkte, die unbeliebt, unterbewertet und in den Investoren-Portfolios untergewichtet sind. Dadurch vermeiden wir, zu viel für unsere Engagements zu bezahlen
- Mit einer breiten Diversifikation auf ca. 100 Aktien, die nach Möglichkeit nicht zu stark miteinander korreliert sind, vermeiden wir Klumpenrisiken und senken das Einzelwerterisiko
- Durch eine Konzentration auf großkapitalisierte Werte (Large Caps) bleiben wir auch bei einem größeren unerwarteten Kapitalbedarf liquide.
Rendite, Sicherheit und Liquidität sind die drei Eckpfeiler des goldenen Dreiecks der Kapitalanlage.
Die Strategie habe ich seit 25 Jahren fast durchgängig in je einem internationalen Aktienfonds umgesetzt. Hier sind die Ergebnisse:
- DG Starpoint (WKN 940076) seit Auflage am 31.07.2000 bis 30.6.2018
Wertzuwachs: +163,6% (MSCI-World: +93,2% inklusive Dividenden) - TT Contrarian Global I (WKN A3C3Q7) seit Auflage am 01.12.2021 bis 31.03.2026
Wertzuwachs: +94,8% (X MSCI World: +45,1% inklusive Dividenden).
Da ich seit dem 1. April keinen globalen Aktienfonds mehr manage, sollte die Veröffentlichung der Ergebnisse nicht als Schleichwerbung gewertet werden.
Ich wünsche Ihnen viel Börsenerfolg und verbleibe
mit herzlichen Grüßen
Ihr
Peter E. Huber

